Coex Folien: Aufbau und Anwendungsmöglichkeiten im Detail

Zuletzt aktualisiert: 05 février 2026

Bei Coex Folien handelt es sich um mehrschichtige Kunststofffolien aus thermoplastischen Polymeren wie Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP). Hinzu kommt eine Kernschicht aus EVOH (Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer) als wichtige Barrierekomponente für aseptische Anwendungen. Im Gegensatz zu Monofolien setzen sich moderne coextrudierte Hochbarrierefolien üblicherweise aus fünf bis neun Materialschichten zusammen. Diese komplexe Struktur ist notwendig, um die geforderten mechanischen Eigenschaften mit chemischen Barrieren prozesssicher zu kombinieren. Während eines Coextrusionsverfahrens erfolgt die Verschmelzung mehrerer Kunststoffschichten zu einer einzigen Verbundfolie. Je nach Schichtzusammensetzung ergeben sich unterschiedliche Schutz- und Funktionseigenschaften. Aufgrund ihrer funktionalen Beschaffenheit sind coextrudierte Folien ein etablierter Industriestandard in regulierten Branchen.

Arten von Coex Folien

Aseptische Verbundfolien lassen sich in Endlosfolien und vorgefertigte Reinraumbeutel unterteilen. Diese Ausführungen sind neben konventionellen Verpackungsanwendungen für die Chargenabfüllung hochaktiver Stoffe geeignet. Coextrudierte Endlosfolien sind im Rahmen des geschlossenen FlecoLiner-Systems für die kontaminationsfreie Abfüllung und das Handling von Feststoffen klassifiziert. In Kombination mit dem FlecoTec-Prinzip ermöglichen diese Lösungen ein Containment-Level bis OEB 5, was durch entsprechende Validierungsunterlagen von Rommelag FLEX belegt ist. Das Gleiche gilt für individualisierbare Reinraumbeutel, die als Primär- und Sekundärverpackung einsetzbar sind. Darüber hinaus schützen Hochbarrierefolien empfindliche Inhalte wie Lebensmittel oder Pharmazeutika vor Umwelteinflüssen.

Moderne Fertigungstechnologien mit hohen Qualitätsstandards

Bei der Produktion mehrschichtiger Verbundfolien erfolgt die simultane Verarbeitung von thermoplastischen Kunststoffgranulaten. Dabei stellt die Coextrusion die Schlüsseltechnologie innerhalb des Fertigungsverfahrens dar. In diesem Schritt homogenisieren mehrere Extruder mithilfe einer rotierenden Schnecke das Kunststoffgranulat. Gleichzeitig verflüssigt sich das Material je nach Polymer bei Temperaturen zwischen 180 °C und 250 °C zu einer zähflüssigen Masse. Im Anschluss gelangt die mehrschichtige Kunststoffschmelze beim Verlassen der Extruderzone zu schlitzartigen Düsen. Dieses Element ist hinsichtlich der Durchflussgeschwindigkeit, Temperatur und Spaltweite präzise konfigurierbar und verleiht der Folie die gewünschte Materialstärke. Das flexible Produktionsverfahren ermöglicht die Fertigung von maßgeschneiderten Verpackungslösungen, basierend auf individuellen Kundenbedürfnissen. Nach der Extrusion verfestigt sich die Folie in einem anschließenden Kühlvorgang, wodurch sich das geometrische Profil des Materials stabilisiert. Um Partikelkontaminationen zu vermeiden, findet die Folienproduktion in einer Reinraumumgebung statt, die mindestens der ISO-Klasse 7 (oder höher, je nach Spezifikation) entspricht und kontinuierlich gemäß den GMP-Leitfäden überwacht wird. Abschließend durchlaufen die Folien umfangreiche Prüfverfahren nach geltenden Normen für die Erfüllung branchenspezifischer Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Die vielseitigen Einsatzgebiete von Coex Folien

Für Coex Folien ergibt sich angesichts der multifunktionalen Struktur ein breites Anwendungsspektrum. In der Pharmaindustrie sowie im biopharmazeutischen Sektor bilden coextrudierte Folien die Basis für flexible Primärverpackungen wie Infusionsbeutel oder Single-Use-Systeme. Sie ergänzen damit das Rommelag-Portfolio dort, wo großvolumige, flexible Lösungen außerhalb der klassischen BFS-Anwendungen (Blow-Fill-Seal / bottelpack) gefordert sind. Durch die hohe Reinraumqualität eignen sie sich ideal zum Verpacken von Arzneimitteln, medizinischen Verbrauchsgütern und chirurgischen Instrumenten. Im medizinischen Bereich spielen vor allem flexible Folien aus Polyethylen mit niedriger Dichte (PE-LD) und guter Sterilisierbarkeit eine zentrale Rolle. Des Weiteren eignen sich Verbundfolien als reißfeste Sicherheitsversandtaschen sowie als Schutzverpackung für Proben und sauerstoffempfindliche Substanzen in Chemielaboren. Auch in der Lebensmittelindustrie schützen die Folien zuverlässig vor äußeren Einflüssen und garantieren lange Haltbarkeitszeiten. Hier überzeugen luftdichte Verpackungen durch den Einsatz von LLDPE (Linear Low-Density Polyethylen) als leistungsstarke Siegelschicht in Kombination mit integrierten Barriereschichten, die empfindliche Güter zuverlässig vor Oxidation schützen. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Kosmetikindustrie, wo Mehrschichtfolien als hygienische Verpackung für Körperpflegeprodukte wie Duschgels, Shampoos oder Cremes dienen. Zudem kommen in explosionsgefährdeten Umgebungen mit entzündlichen Stoffen und brennbaren Gasen antistatische Folien zum Einsatz.

Materialeigenschaften von Coex Folien

  • Barrierewirkung: Die dichten Molekülketten in den Polymerschichten schirmen den Verpackungsinhalt vor Feuchtigkeit, Sauerstoff, Kohlendioxid und anderen Einflüssen ab. Darüber hinaus fungiert die Folie als Sperrschicht und verhindert die Diffusion von Gasen, was vor allem bei Produkten mit Schutzgasatmosphäre einen dauerhaften Qualitätserhalt gewährleistet. Zusätzlich trägt der Barriereschutz zur Wirkstoffstabilisierung bei, verhindert Aromaverlust bei Lebensmitteln und schützt organische Substanzen vor Oxidation.
  • Mechanische Stabilität: Durch die Kombination verschiedener Polymerschichten überzeugen Verbundfolien mit einer reiß- und durchstoßfesten Struktur. Somit halten die Folien intensiven Belastungen stand und behalten bei anspruchsvollen Industrieanwendungen ihre Form und Integrität bei. Passend zum Einsatzbereich lassen sich funktionale Eigenschaften wie Elastizität, Steifigkeit oder UV-Beständigkeit durch die Zugabe von Additiven verstärken.
  • Siegeleignung: Coextrudierte Folien verfügen über eine wärmeempfindliche Siegelschicht, die sich unter Hitzeeinwirkung und Druck mit anderen Lagen verschmilzt. Vorrangig kommt die verschweißbare Schichtstruktur bei Produkten, deren Verpackungen eine hermetische Dichtigkeit erfordern, zum Einsatz. Beim Öffnen der Verpackung sorgen die enthaltenen Additive in Form von Trenn- und Antihaftmitteln für ein rückstandsfreies Ablösen.
  • Chemische Beständigkeit: Dank der resistenten Schutzbarriere verhindern Verbundfolien die Entstehung von chemischen Wechselwirkungen mit dem Verpackungsinhalt. Die Polymerschichten schützen zuverlässig vor Lösungsmitteln, Ölen, alkoholhaltigen Substanzen und schwachen Säuren. Dabei dient Polyethylen aufgrund seiner reaktionsträgen Eigenschaften als Grundmaterial und erzeugt in Kombination mit Polyamid- oder EVOH-Schichten eine umfassende Barrierewirkung. Bei Bedarf verstärken angepasste Rezepturen mit beigemischten Zusatzstoffen die chemische Widerstandsfähigkeit.
  • Elektrisch ableitend: Eine effektive Lösung, um elektrostatische Aufladung zu vermeiden, sind elektrisch ableitende Folien. Über die dissipativen Schichten können elektrische Ladungen kontrolliert und ohne Funkenbildung abfließen. Hierbei bewahren antistatische oder leitfähige Additive empfindliche Elektrobauteile vor unkontrollierten Entladungen und Funktionsschäden.